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Gegenwind

Gegenwind-Wachsoldaten vor llendes Amtssitz

Facing the Sixties

„[…] Wie gestaltet sich eine Entdeckungsreise, wenn zwischen Aufnahme und zweitem Blick fast ein halbes Jahrhundert liegt? Michael Ruetz hat dieses Experiment jetzt mit Fotografien aus der Frühzeit seines Werkes unternommen. Wir wissen, dass Ruetz durch die Berliner Turbulenzen der 1960er Jahre gleichsam nebenbei zur Fotoreportage gekommen ist. Er war zur rechten Zeit an der richtigen Stelle – wann immer heute von »Achtundsechzig« als Mythos und Realität die Rede ist, da tauchen unweigerlich die Ikonen von Michael Ruetz auf.

[…] Was hat Ruetz bei seinen Erkundungsfahrten in seinen frühen Fotografien entdeckt? Merkwürdig genug: Geheimnisse wie in Blow Up sind es nicht. […] Was Ruetz jetzt mit seinen alten Aufnahmen macht, das ist eher ein genussvolles Auskosten ihrer Qualitäten durch Versenkung ins Detail.

Christoph Stölzl im Vorwort des Buches

Beispiele aus dem Buch:

Gegenwind, Bild 53 und ein Detailausschnitt

»Die Kommune 1, vor allem der liebenswerte Humorist Fritz Teufel und der einfallsreiche Rainer Langhans: Sie lebten nach ihren eigenen Regeln – damals an dem als Red Light District verleumdeten Stuttgarter Platz. Trotz aller Spaßigkeit und wunderlichen Auftritte: Die Versuche der Kommune waren ernst gemeint und sehr bedenkenswert. Dass die Kommune so agierte, war bestens zu verstehen. Sie gehörte zu der Generation, welche unter den Nachkriegsvätern gelitten hatte, die ihre Schuld eigensinnig leugneten und in der Gegenwart nie ankamen. Dass man sich ihrem Einfluss effizient entziehen wollte, lag nur zu nahe. Doch das durfte damals ja nicht sein….

Und so wurde wieder einmal Hass gesät, die Kommune ausschließlich mit Hohn und Spott übergossen, böswillig verleumdet und sogar strafverfolgt.

Ich hatte das Gefühl, es sei unerläßlich, die Kommune als den Augenblick der Geschichte zu fixieren, der unwiederbringlich ist und sich inzwischen längst verflüchtigt hat. Dass dies mir und uns allen Spaß machte, erleichterte diese Aufgabe, machte sie jedoch nicht weniger notwendig. Auf den Teetisch zu steigen, weil das Licht im Zimmer ungenügend war und weil ich Kunstlicht verabscheute, das gehörte durchaus auch zu dieser Arbeit«.

— Michael Ruetz zu dem Bild


Gegenwind, Abbildung 61

Spießrutenlauf? Aufmarsch? Vor Hunden in Habachtstellung gehen, das Gewehr präsentieren? Die Wachsoldaten vor Allendes Amtssitz in Santiago taten damals weder Fliegen noch Hunden etwas zuleide. Doch wenig später stürmten Soldaten aus Rancagua Allendes Amtssitz, und die Luftwaffe bombadierte die Plaza de La Moneda. Das konnte niemand ahnen, auch der Hund nicht.

— Michael Ruetz zu dem Bild


Gegenwind, Doppelseite mit persönlichen Erzählungen zu den Bildern.
Gegenwind, Doppelseite mit persönlichen Kommentaren zu den Bildern.

Gegenwind, 2017

NIMBUS. Kunst und Bücher AG

© Fotos: Michael Ruetz

© Texte: Michael Ruetz und Christoph Stölzl