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Goethes Italienische Reise

Goethes Italienische Reise, Buchrückseite

»Auch ich in Arkadien«

Als hätte Goethe uns ein Motto für dieses Buch geben wollen, notierte er am 17.März 1787 in Neapel:

„Wenn ich Worte schreiben will, so stehen mir immer Bilder vor Augen, des fruchtbaren Landes, des freien Meeres, der duftigen Inseln, des rauschenden Berges, und mir fehlen die Organe, das alles darzustellen.“

J.W. Goethes Werke, Band II, S. 229

…Die Italienische Reise, von dem jungen Mann erlebt und skizziert, von dem alten Mann redigiert und in seine endgültige Fassung gebracht, ist ein Steinbruch der Phantasie, der dem Autor Goethe Bilder für sein späteres Werk lieferte….

…Unser Buch richtet sich nicht allein an die, deren Beruf die Beschäftigung mit Goethes Werk ist, sondern auch an die, denen es schwerfällt, in sein enormes Werk Eingang zu finden. […] Außer Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg und James Boswells Journal of A Tour To The Hebrides kenne ich kein Werk der Weltliteratur, das in gleichem Maße zum Sehen und Nacherleben einlädt.

Meine grundsätzliche Überlegung bei der Zusammenstellung der Texte war, daß Goethe selbst am besten zu den italienischen Bildern sprechen kann. Zugunsten der Lesbarkeit der nun zweihundert Jahre alten Texte habe ich mir einige Freiheiten beim Zitieren genommen, allerdings ohne die Originale in irgendeiner Weise zu entstellen.

Michael Ruetz im Nachwort des Buches


Abbildungen aus dem Buch:

Vicenza, den 19. September 1786

Vor einigen Stunden bin ich hier angekommen., habe schon die Stadt durchlaufen, das Olympische Theater und die Gebäude des Palladio gesehen. Das Olymische Theater ist ein Theater der Alten, im kleinen realisiert und unaussprechlich schön, aber gegen die unsrigen kömmt’s mir vor wie ein vornehmes, reiches, wohlgebildetes Kind gegen einen Weltmenschen, der, weder so vornehm, noch so reich, noch wohlgebildet, besser weiß, was er mit seinen Mitteln bewirken kann.

Ich finde auch hier, leider gleich! das, was ich fliehe und suche, nebeneinander.


Den 11. November 1786

Heute hab‘ ich die Nymphe Egeria besucht, dann die Rennbahn des Caracalla, die zerstörten Grabstätten längst der Via Appia…

Es ist so unterrichtend, wenn Sarkophagen, Urnen und all die dazugehörigen Leichen- und Grabgeräte in nachgeahmten Kolumbarien aufgestellt sind; wenn der römische Denkstein, Altar und Cippus von einer Dekoration eingefaßt werden, welche an die Appische Straße erinnert….


Rom, April 1788

Diese neue Wohnung gab nun Gelegenheit, eine Anzahl von Gipsabgüssen, die sich nach und nach um uns gesammelt hatten, in freundlicher Ordnung und gutem Licht aufzustellen, und man genoß jetzt erst eines höchst würdigen Besitzes. Wenn man, wie in Rom der Fall ist, sich immerfort in Gegenwart plastischer Kunstwerke der Alten befindet, so fühlt man sich, wie in Gegenwart der Natur, vor einem Unendlichen, Unerforschlichen.


Goethes Italienische Reise

»Auch ich in Arkadien«

Carl Hanser Verlag München Wien

erschienen 1985, 178 Seiten